Dienstag, 8. November 2011

schlussverkauf.

mir war schlecht, und zwar verdammt schlecht. es war halb 6 uhr morgens und ich sass mit schmerzenden fuessen vor einem club, der dank sperrstunde erst in 30 minuten aufmachen wuerde. ich war fertig fuer den abend, hatte alles erlebt, doch meine freunde wollten noch bleiben. sie wollten weiter tanzen. 
"fuuck.", murmelte ich und stuetzte meinen kopf auf die haende. 
"cadee, alles klar?", hoerte ich meine freundin fragen. sie schien ganz weit weg. "musst du dich uebergeben?" 
ich schuettelte den kopf. noe, ich war oke. noch. doch die shots & der billige wodka hatte seinen teil zu meiner uebermuedung beigetragen. und das ich den ganzen tag nichts gegessen hatte, trotz 8 stunden arbeit, wohl auch. 
die ueberreste der clubszene kamen zusammen um noch einmal gas zu geben, zu einer uhrzeit, zu der ich normalerweisse gerade aufstehen wuerde, um in die schule zu gehen. morgen schon waren die ferien vorbei. morgen war montag. das hier war schon laengst sonntag morgen und nicht mehr samstag nacht. 


als wir endlich rein konnten, platzierte ich mich an der bar und bestellte mir etwas zum trinken. zum kontern oder um meine muedigkeit zu besiegen, das wusste ich nicht so richtig. alles was ich wusste war, das ich hier nicht sein sollte. es war doch schon viel zu frueh und ich hatte doch noch so viel zu tun....
meine maedls gingen tanzen und ich beobachtete sie. ich haette mir nicht so viel ausgeben lassen sollen, aber es war umsonst und er war niedlich und nett gewesen. hatte sich wahrscheinlich mehr erhofft, doch ich wollte nur tanzen. nach wochen der feier abstinenz war das endlich mal wieder ein abend in freiheit, an dem ich gas geben konnte. 


ich lies meinen blick schweifen. 


afterhour war anscheinend nichts anderes als ein schlussverkauf im schuhladen. der "alles muss raus" verkauf bei der schliesusng eines ladens. 
alles was ich sah waren ueberbleibsel. die, die in der nacht nichts gefunden hatten, und jetzt die ueberreste abgrasten, in der hoffnung auf einen letzten treffer, um nicht alleine nachhause zu gehen. es kam mir vor, als haette jeder hier mit dem eintritt ein rotes "sale" schild um den hals bekommen. bitte, bitte nimm mich....
das maedchen, das ihr ego noch pushen muss, weil sie heute nacht wieder nichts angetanzt hat. das wuerde einfach werden, mussten sich die maennlichen vertreter hier wohl denken. 
denn die flirterei war offensichtlich und unverfrohren. 
das einzig offensichtlichere waere ein schild mit der aufschrift "ficken?"
nein danke, ich habe kein interesse. ich will nicht die 2te wahl. ich will auch nicht die 8te oder 9te wahl oder welche wahl auch immer du darstellst. 
ich schuettelte mich. so betrunken konnte doch keiner sein um mit einem typen wie dem abzuhauen, der mich gerade vom anderen ende der bar aus angrinste. wiederlich. 


ich drehte mich angewiedert um und beobachtete das geschehen. wenn ich mich jemals ueber den paarungstanz in den normalen clubs lustig gemacht habe, musste ich nun alles zurueck nehmen. ich sah die pure verzweiflung wie sie ihren hintern gegen die dicken kloeten eines anderen rieb. 


und dann sah ich ihn. 
er stand gelangweilt bei seinen jungs, wippte von einem fuss auf den anderen und nippte gelegentlich an seinem bier seine kumpels, allesamt nicht erwaehnenswert, tanzten wie die affen auf und ab. sie passten 1 a ins bild -  er schien wie ein ausserirdischer. 
er war wie das letzte schoene kleid im schlussverkauf bei h&m. wenn alles schon aus den regalen gerissen wurde, und man versucht, irgendwas schoenes aus den resten zu finden, und man es dann in der ecke liegen sieht. DAS kleid. in der eigenen groesse. 
er sah viel zu gut aus, um hier zu sein. sein stil war fabelhaft, seine braunen haare luden dazu ein, einfach durchzuwuscheln und seine augen hatten die exakte farbe einer haselnuss. 


ich kam nicht umhin ihn anzusehen. die ganze zeit. es lag wahrscheinlich an meiner trunkenheit, denn die schamgrenze, nicht ganz so auffaellig hinzustarren war mir egal. 


was machte er bei all der ausschussware? 


war er wie ich einfach wie auf einem besuch im zoo, wo man sich die tiere ansah, ohne gleich mit dem bären den bauch zu kraulen? waren wir die besucher und sie die tiere?


er hatte mich auch bemerckt, was mich endlich dazu brachte, den kopf zu drehen und weg zu sehen. ich musste grinsen. verdammter tequila, das hatte ich auch schonmal besser hinbekommen. ich sah wieder hin. er hatte den blick nicht von mir abgewendet - und grinste. 


moment, dachte er ich waere freiwild? ich sah wieder weg. und wieder hin. er sah weg, musterte das deprimierte paerchen auf der tanflaeche und lachte. seine jungs schienen es nicht zu bemerken und bewegten sich weiterhin wie schimpansen.
er sah wieder zu mir. ich lachte ebenso. und so lachten wir beide. einfach so. 


er drehte sich und nickte richtung einer tuer. ich guckte ihn verstaendnislos an. meinte er ueberhaupt mich? und wo wollte er hin? 
er ging mit seinem fingern zum mund, und signalisierte mir, das er rauchen gehen wollte. mit mir. weg von der freakshow. ich war verwirrt, der tequila tanzte seinen samba in meinem kopf unentwegt weiter. ich wuerde diese nacht sowas von bereueh. ich stand auf und folgte ihm hinaus. 


aussen strahlte mir die sonne entgegen. wie spaet war es denn schon? 
ich sah ihm auf einem der sofas sitzen. er musterte mich von oben bis unten und grinste. ich setzte mich neben ihm und nahm eine der zigaretten, die er mir entgegenstreckte. 


"hey...."


er laechelte. es folgte ein herzhafter smalltalk mit vielen lachern, bei dem wir uns ueber den rest der anwesenden gaeste ausliessen. und ich gaehnte irgendwann so sehr, das er lachen musste. 
"du ich geh rein und frag mal wann wir gehen. war schoen dich kennen gelernt zu haben." er grinste und nicke mir zu. ich lief hinein. innen sah es immernoch so aus als waere es gerade einmal 2 uhr, alle tanzten und es war stockdunkel. 


"wann gehen wir?", meckerte ich meine freundin an. sie ueberlegte. "in ner halben stunde?" ich nickte und setzte mich zurueck auf meinen hocker. sollten die sich noch austoben, ich wuerde dem barkeeper hier gleich was vorschnarchen. 


"na du?" ich drehte mich um. er stand wieder hinter mir und grinste. 
"na, bleibste der zombiefabrik noch erhalten?" ich nickte. 
er grinste und nahm meine hand. er nickte mit dem kopf. er hatte es wohl nicht so damit, den leuten zu sagen, wohin er wollte. 
ich schuettelte den kopf. "ich bin muede....", murmelte ich. 
"lass uns tanzen..." ich schuettelte den kopf und spuerte die muedigkeit in mir aufkeimen. ich war zu alt fuer diesen kaese.... 
"aber ich will mit dir tanzen...." 
ich laechlte, schuettelte aber dennoch den kopf. ich drehte mich um. er stuetzte seinen kopf neben mir auf der bar auf. "du bist viel zu huebsch um hier zu sein." 
ich drehte mich zu ihm und grinste ihn an. "hoer auf zu schleimen...."
mir war bewusst was er versuchte. wie konnte es das auch nicht sein. es war offensichtlich und es lag in der luft. an diesem sonntag morgen hatten wir eine chemie, eine chemie die nur wir zwei spueren konnten, zwischen grinsen und lachern und vorallem, zwischen blicken. 
"aber das tu ich doch garnicht.....", murmelte er und kam mit seinem gesicht naeher an mich. 
ich kicherte. er war so nah an mir das ich seinen atem auf meiner haut spueren konnte. 
"ich bin muede....", murmelte ich erneut. 
"ich weiss..." sagte er. seine lippen kamen gefaehrlich nahe an die meinen. und ich war mir nicht sicher ob es seine naehe oder der tequila war, der in meinem kopf alles ganz schwummrig machte. seine lippen beruehrten meine, und meine anspannung loeste sich. 


"wollen wir rueber auf die couch gehen?", fragte er mich. 
der alkohol kickte wieder voll ein. doch mir war es egal. er kuesste gut, und immerhin war er mein fundstueck. es war 8 uhr morgens und was hatte ich zu verlieren?
auf der couch angekommen, brachte er alles zur geltung was ich nie gedacht hatte. er war lieb, zaertlich und doch wusste er was er wollte. mich. nur fuer diesen moment und nach einer langen nacht. doch das war gerade egal. 


"cadee?" meine maedls suchten mich. 


ich lies von ihm ab, grinste ihn an und stand auf. 
"bleib da!", sagte er und griff meine hand. aha, er konnte also doch anweisungen geben. 
"ich muss los, tut mir leid." 
sein laecheln verschwand und er sah mich traurig an. konnte ich mein massgeschneidertes kleid einfach hier lassen? doch wie gross war die versuchung das es am naechsten morgen nicht mehr passen wuerde? 
"gib mir wenigstens deine nummer...." 


er reichte mir sein handy und ich tippte eine nummer ein. die falsche. 
dieser moment hier, war zu gut gewesen, um ihn durch ein weiteres mal zu ruinieren. 
in meinem schwummrigen bewusstsein war es der kleine edelstein gewesen, das perfekte kleid beim schlussverkauf..... 
und ich hatte nicht vor mir das von der realitaet kaputt machen zu lassen. 

2 Kommentare:

  1. ein eintrag herrlich :D
    "typische party story alle wollen außer ich"
    dann
    "ist ja doch überall das gleiche die reste gibt es überall" dann bewunderte ich dich weil du trotzdem noch im club warst obwohl es dir nicht gut ging :D
    dann dachte ich mir "wenn sie erlaubt den typen zu küssen ist sie ja selbst son "stück" (ich war ich kopf auch schon 10 schritte weiter) :D und dann gings aufs sofa ich dachte jetz ist alles vorbei und dann BÄMS ! gibst du diesem "super" typen die falsche nummer :D :D :D wie geil ist dass denn bitte hahahaha :D respekt das du trotz alkohol nicht weiter gegangen bist (nicht das ich sowas mache ) aber von der story hätte ich das jetzt gedacht :D einfach genial :D

    AntwortenLöschen
  2. puh...respekt, dass du das so durchgezogen hast...hast du's im nachhinein bereut?

    AntwortenLöschen

schreibt mir eure gedanken...