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Sonntag, 14. August 2011

Mein Mann, Meine Wohnung, Meine Einsamkeit.

"Cadee, Hey und das ist dein Begeleiter?" 
Ich schüttelte den Kopf, und sah mich um. Dort stand ein mittelmässig gutaussehender Kerl. Fuckable. Aber darum könnte ich mich auch später kümmern.
 "Oh, wo ist er denn? Beruflich verhindert?" 
Ich starrte in die strahlenden Augen des Mädls vor mir und überlegte mir ernsthaft wie ich ihr ambesten rüber brachte, das ich ganz gut ohne Mann klar kam ohne ihr ihr Weltbild zu zerstören.
"Ich bin derzeit Single." 
Sie verzog ihr Gesicht und sah mich bemitleidend an, etwa so, als wären wir auf einer Beerdigung. "Es muss schrecklich sein, so allein zu sein. Aber nur Mut Schätzchen, du findest sicher etwas" 
Ich nickte und lächelte gequält, drehte mich dann um und lief Richtung Bar. 


Fast 20 und Single war in der heutigen Zeit also genau so verpöhnt wie vor 100 Jahren. Ich entsprach also nicht dem gesellschaftlichen Ideal, welches mir gerade meinen Abend versaut hatte. 
Gerade Abitur gemacht und zieht jetzt mit ihrem Freund mit dem sie schon mindestens 2 Jahre zusammen ist zusammen in die eigene Wohnung in irgendeiner fabelhaften neuen Stadt in einer fabelhaften neuen Wohnung mit einem fabelhaften Studiengang und dem Bausparvertrag schon in der Tasche. 


Wieso taten eigentlich plötzlich alle auf so erwachsen, und seitwann banden sich Kerle so eng an eine Frau? Bekam man mit dem Abitur gleichzeitig ein "ich muss sesshaft werden" Zertifikat? 


Danke, ich gehe mich übergeben. "Wir haben uns füreinander aufgehoben." 
Klar, hatten sie das. Sie hat sich zwar vorher von jedem zweiten besteigen lassen, aber für die große Liebe war es das erste mal. Ich fragte mich, ob sie es wie im Mittelalter machte und die Jungfreulichkeit vorgetäuscht hatte. 


Er war ein paradebeispiel. Gutes Elternhaus, Genügend kleingeld, mit 1er BMW in der Garage in modernen weiss natürlich, Student und - liebenswert. 


In Gedanken wartete ich auf die 2 Kinder, das Reihenhaus, den Hund und die Scheidung. Wir wollen dem Klischee ja schlieslich treu bleiben. 


Ich schaute mich im Raum um und sah Paare, ein paar Jungs die sich für Barney Stinson persönlich hielten und deren Ausschnitt tiefer als meiner war, die Nerds, die Schlampen. 


War es denn so? Waren wir eigentlich alle ein Typ, leicht einzuordnen in eine Schublade voller Klischees? Hatten wir einen weg zu gehen in unserem Leben, der uns vorgeschrieben war und so hart wir uns wehren wollten, irgendwie kamen wir alle auf diesen weg? Und waren die wenigen die Ausbrachen, wirklich so traurig wie die Gesellschaft sie darstellen mochte? 


Ich hatte das Klischee des ewigen Singles inne, und ich mochte es. Doch weniger mochte ich die fragenden Blicke und die Fragen an sich, die viele Leute als unvermeidbar hielten. 
Wieso hast du keinen Freund? Wann wirst du sesshaft? Wann wirst du endlich was mit deinem leben anfangen? 


Ich erinnerte mich mit schmunzeln an die Zeit als ich 12 war, in meinen Freche Mädchen Büchern las und mir einen Freund wünschte. In meiner Blubberblase, der Typ der einen morgen mit Cornflakes fütterte und einem die ganze Zeit die Hand hielt. Damals wurde mir gesagt ich bin zu jung und solle warten.... Und nun? Wann kam der Zeitpunkt wo es hies, auf die Plätze, fertig los, schnappt euch die Männer bevor die besten vergriffen sind? 


.....oder wartet ein paar Jahre, dann sind sie wieder geschieden, allerdings wahrscheinlich mit schreienden, windertragenden anhängsel. puh! 


Ich nippte an meinem Martini, als ich an der Bar stand in meinem fabelhaften neuen Kleid und den fabelhaften viel zu teuren Schuhen, für die ich beim ersten Blick ein Kribbeln hatte, das kein Kerl so hingekriegt hätte. Liebe auf den ersten Blick. 
Mit zwei Jobs hatte ich für fast nichts mehr Zeit, ausser natürlich dafür mir "nur mal kurz" Schuhe anzusehen. Und wenn mir ein Kerl über den Weg laufen würde, sollte ich dann die wenige Zeit die ich mit meinen Schuhen verbringen konnte für ihn Opfern? 
Ich lies meinen Blick schweifen und sah den fabelhaft gut situierten Kerl, den der scheinwerfer für meinen Singlestatus vorhin an ihrem Arm mit sich rumgeführt hatte, einem Arsch nach dem anderen Hinterher sehen, und seinen Blick dann auf eine kleine blonde Schlampe zu richten, deren ganzes Auftreten "Nimm mich!" schrie. 
Daneben quatschte sein Frauchen angeregt über einrichtungsgegenstände mit ihrer ebenso gut situierten und wahrscheinlich natürlich bald verlobten besten Freundin. 


Ich grinste in mich hinein und schloss innerlich mit mir selbst wetten ab, wie lange das ganze noch dauern würde. Nach 6 Monaten, so dachte ich mir, wären doch ein paar neue High Heels ganz nett. 
Ich fragte mich, wer hier wirklich einsam war. Ich, wo ich in diesem Raum auf eine große Auswahl potentieller Männer sah oder sie, wo jede Nacht neben dem selben Kerl einschlief, der höchstwahrscheinlich gerne mal bei der anderen Blonden dort drüben einen Wegstecken würde. 


War es eine Ilussion in der wir lebten? Es kam mir vor als würde ich als aussenstehender auf eine Szene sehen, wie in einem Film und die kleinen Ameisen beobachten, wie sie ihr Leben lebten... um mir notizen für mein eigenes zu machen. Mein fabelhaftes Leben.